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Bewegte Zeiten (Interaktiver Artikel)

Erinnerungen an die Entwicklung der alternativ-spirituellen Szene
Von Stefan Geiger


Wer erinnert sich noch an den netten Szenespruch an einer Wand im CA (Collegium Akademikum)?

Männergrupp'
Frauengrupp'
Kartoffelsupp'

Er kommentierte auf seine einfache und herzhafte Weise die wachsende Anzahl von Polit- und Psychogruppen und deren mitunter zähen und "breiigen" Charakter.
In einer anderen damals wegweisenden Einrichtung, der Free-Klinik, zeichnete sich der Anfang von neuen therapeutischen Ansätzen ab. Auch sie war lange Zeit ein Experimentierfeld und Kristallisationspunkt für neues Bewusstsein.
Und dann war da die Öffnung des Lotus, des ersten Bioladens der Stadt zunächst in der Fischergasse - dann lange in der Heugasse - als deutlicher Ausdruck des wachsenden Willens zur Veränderung. Sicherlich war er noch recht teuer, doch immer wieder mal kaufte man dort ein: z.B. Biobrötchen und Biokäse zum Sonntagsfrühstück. Und bald gab es auch die Biobäcker: seit 1982 backen die selbstverwalteten Mahlzahn-Bäcker und die Bäckerei Schenk eröffnete dann sogar das erste, rauchfreie Biorestaurant.

Auch in der Bücherwelt eroberte sich das Alternative seinen Raum: "Muse Brot" hieß der echt alternative Buchladen in der Römerstraße, der von Ludwig Schmid-Herb 1977 gegründet wurde und in dem man zum Bücher-Schmökern gerne auch einen Tee oder Cafe bekam. Dieser Laden gehörte zum zentralen Bestandteil der jungen, birkenstock-besohlten und Latzhosen tragenden Ökobewegung - insbesondere mit dem langjährigen Muse-Brot-Wegweiser, der über 25 Jahre hinweg das lokale (und kostenlose) Mitteilungsblatt aller irgendwie alternativen Ausdrucksformen in der Stadt war (Hut ab Ludwig!) und der erst vor ca. einem Jahr eingestellt wurde.
Auch den Vorgänger des Lichtblicks gab es inzwischen ganz in der Nähe der Alten Brücke: "Der Laden" in der Oberen Neckarstrasse 10. Zu dieser Zeit lebte ich in einem alternativen Lebensprojekt mit Töpferei auf dem Land und wir beglückten diesen Laden, wie später auch den Lichtblick mit unseren Duftlampen für die aufkommende Aromalampenwelle.

Schon in dieser Zeit gab es immer wieder Gespräche über eine alternative, spirituelle Zeitschrift für Heidelberg. Neben Ludwig Schmid-Herb, Heide Wernecke und mir waren auch andere Leute beteiligt, doch die Realisierung scheiterte immer an dem immensen Aufwand für Layout, Druck und Vertrieb einer solchen Zeitschrift, den niemand auf sich nehmen wollte.
Das New Age, wie es damals hieß, war inzwischen voll in Fahrt. Die Ökologie war stets Vorreiter und die spirituellen Aspekte folgten später. Es war wohl vielen Menschen am ehesten verständlich, dass wir derart nicht endlos mit unserer Umwelt und unserem Planeten umgehen konnten. Da wir Deutschen ja Reiseweltmeister sind - und die Alternativen ließen sich da nicht lumpen - strömten bald aus aller Welt viele Ideen von neuen Körperübungen, Heilweisen und Geisteshaltungen über uns herein. Es begann mit Yoga und es folgten Tai Chi, Qi Gong usw.
Englische, philippinische, brasilianische, indianische, russische und schamanische Heiler erschienen. Die Liste der neuen Therapie, Behandlungs-, Bewegungs-, und Heilformen ist unendlich lang. Sie reicht vom Pendeln bis zur Ayurvedischen Ölmmassage, vom Za Zen bis zur indianischen Schwitzhütte - um nur wenige zu nennen. In diesem Zusammenhang möchte ich an den netten Scherz erinnern, den eine Anzeige in der damals noch linken und alternativen Heidelberger Rundschau darstellte, in der jemand zum Spaß, aber erfolgreich, für "japanisches Bauchpinseln" geworben hatte.

Nicht vergessen dürfen wir die Erleuchteten. Insbesondere Bhagwan / Osho fand in Heidelberg viele Anhänger. Sie eröffneten ein schönes Zentrum in bester Rohrbacher Lage, später dann in Wieblingen und bieten bis heute zahlreiche Veranstaltungen in ihren Räumlichkeiten an.
Als letzten Sommer der zweite Naturkost-Supermarkt in Heidelberg, das Füllhorn Präsentationsfächer für Flyer und Prospekte anbot, waren diese innerhalb eines Tages ausgebucht. Mit weiteren Kästen dort ging es ebenso, heute kann man sich nicht mal mehr auf die Warteliste setzen lassen, denn auch sie ist voll. Das Angebot im alternativen, therapeutischen oder spirituellen Sektor ist immens und weiterhin im Wachsen begriffen. Ich frage mich, wer soll diese vielen Angebote denn wahrnehmen? Meine innere Stimme sagt, " warte ab, sie werden noch beansprucht. Die Zeit kommt. "
Die Berührungsängste des etablierten Gesundheitssystem sind noch enorm, auch wenn es Berührungspunkte gibt: Krankenschwestern praktizieren Reiki, wenn der Arzt nicht hinschaut und so mancher Hausarzt belegt einen Wochenendkurs um sich "Arzt für Naturheilverfahren" nennen zu dürfen.

Immerhin konnten wir letzten Sommer die Gaia Tagung im universitären Bereich abhalten, wofür wir sehr dankbar sind. Auch wird dort mit alternativen Geisteshaltungen experimentiert - man denke an den Kongress über Trance im Herbst dieses Jahres. Sogar die bürgerlich-konservative Rhein-Neckar-Zeitung hat sich letztes Jahr ein Stück geöffnet, als sie mit mehreren zum Teil ausführlichen Artikeln über die Gaia-Tagung und unsere Meditation auf dem Heiligenberg berichtete.
Es ist tatsächlich sehr schön zu sehen und es erfüllt mich auch mit Freude und Dankbarkeit, wie stark sich das neue Bewusstsein ausbreitet.

Vor ca. 5 Jahren saßen wir nochmal zusammen, um dieser Bewegung ein Forum zu geben: diesmal im Internet. Heide Wernecke hat diese Idee bis heute konsequent weiterverfolgt und mit viel Fleiß und dem Studium entsprechender Programmierliteratur in die Tat umgesetzt.

Der Beginn dieser Lichtblick-Netz Seiten zum jetzigen Zeitpunkt passt: Etwa ein Jahr nach der Einstellung des Muse-Brot-Wegweisers findet die alternativ-spirituelle Szene hier eine neue Plattform - erreichbar für jeden, der einen Computer bedienen kann.

Sie haben hier die Möglichkeit, den Artikel mit Informationen und Anekdoten zum Thema zu ergänzen, welche dann mit Links im Text oder am Ende angefügt werden.

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Dieses Bild wurde handgemalt und war die Vorlage für die Visitenkarten des "Ladens", damals eröffnet von Karl-Friedrich Honold und Jeff Rogers.

 

 

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