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Wer
erinnert sich noch an den netten Szenespruch an einer Wand im CA (Collegium
Akademikum)?
Männergrupp'
Frauengrupp'
Kartoffelsupp'
Er kommentierte auf seine einfache und herzhafte Weise die wachsende Anzahl
von Polit- und Psychogruppen und deren mitunter zähen und "breiigen"
Charakter.
In einer anderen damals wegweisenden Einrichtung, der Free-Klinik, zeichnete
sich der Anfang von neuen therapeutischen Ansätzen ab. Auch sie war
lange Zeit ein Experimentierfeld und Kristallisationspunkt für neues
Bewusstsein.
Und dann war da die Öffnung des Lotus, des ersten Bioladens der Stadt
zunächst in der Fischergasse - dann lange in der Heugasse - als deutlicher
Ausdruck des wachsenden Willens zur Veränderung. Sicherlich war er
noch recht teuer, doch immer wieder mal kaufte man dort ein: z.B. Biobrötchen
und Biokäse zum Sonntagsfrühstück. Und bald gab es auch
die Biobäcker: seit 1982 backen die selbstverwalteten Mahlzahn-Bäcker
und die Bäckerei Schenk eröffnete dann sogar das erste, rauchfreie
Biorestaurant.
Auch in der Bücherwelt eroberte sich das Alternative
seinen Raum: "Muse Brot" hieß der echt alternative Buchladen
in der Römerstraße, der von Ludwig Schmid-Herb 1977 gegründet
wurde und in dem man zum Bücher-Schmökern gerne auch einen Tee
oder Cafe bekam. Dieser Laden gehörte zum zentralen Bestandteil der
jungen, birkenstock-besohlten und Latzhosen tragenden Ökobewegung
- insbesondere mit dem langjährigen Muse-Brot-Wegweiser, der über
25 Jahre hinweg das lokale (und kostenlose) Mitteilungsblatt aller irgendwie
alternativen Ausdrucksformen in der Stadt war (Hut ab Ludwig!) und der
erst vor ca. einem Jahr eingestellt wurde.
Auch den Vorgänger des Lichtblicks gab es inzwischen ganz in der
Nähe der Alten Brücke: "Der Laden"
in der Oberen Neckarstrasse 10. Zu dieser Zeit lebte ich in einem alternativen
Lebensprojekt mit Töpferei auf dem Land und wir beglückten diesen
Laden, wie später auch den Lichtblick mit unseren Duftlampen für
die aufkommende Aromalampenwelle.
Schon in dieser Zeit gab es immer wieder Gespräche
über eine alternative, spirituelle Zeitschrift für Heidelberg.
Neben Ludwig Schmid-Herb, Heide Wernecke und mir waren auch andere Leute
beteiligt, doch die Realisierung scheiterte immer an dem immensen Aufwand
für Layout, Druck und Vertrieb einer solchen Zeitschrift, den niemand
auf sich nehmen wollte.
Das New Age, wie es damals hieß, war inzwischen voll in Fahrt. Die
Ökologie war stets Vorreiter und die spirituellen Aspekte folgten
später. Es war wohl vielen Menschen am ehesten verständlich,
dass wir derart nicht endlos mit unserer Umwelt und unserem Planeten umgehen
konnten. Da wir Deutschen ja Reiseweltmeister sind - und die Alternativen
ließen sich da nicht lumpen - strömten bald aus aller Welt
viele Ideen von neuen Körperübungen, Heilweisen und Geisteshaltungen
über uns herein. Es begann mit Yoga und es folgten Tai Chi, Qi Gong
usw.
Englische, philippinische, brasilianische, indianische, russische und
schamanische Heiler erschienen. Die Liste der neuen Therapie, Behandlungs-,
Bewegungs-, und Heilformen ist unendlich lang. Sie reicht vom Pendeln
bis zur Ayurvedischen Ölmmassage, vom Za Zen bis zur indianischen
Schwitzhütte - um nur wenige zu nennen. In diesem Zusammenhang möchte
ich an den netten Scherz erinnern, den eine Anzeige in der damals noch
linken und alternativen Heidelberger Rundschau darstellte, in der jemand
zum Spaß, aber erfolgreich, für "japanisches Bauchpinseln"
geworben hatte.
Nicht vergessen dürfen wir die Erleuchteten.
Insbesondere Bhagwan / Osho fand in Heidelberg viele Anhänger. Sie
eröffneten ein schönes Zentrum in bester Rohrbacher Lage, später
dann in Wieblingen und bieten bis heute zahlreiche Veranstaltungen in
ihren Räumlichkeiten an.
Als letzten Sommer der zweite Naturkost-Supermarkt in Heidelberg, das
Füllhorn Präsentationsfächer für Flyer und Prospekte
anbot, waren diese innerhalb eines Tages ausgebucht. Mit weiteren Kästen
dort ging es ebenso, heute kann man sich nicht mal mehr auf die Warteliste
setzen lassen, denn auch sie ist voll. Das Angebot im alternativen, therapeutischen
oder spirituellen Sektor ist immens und weiterhin im Wachsen begriffen.
Ich frage mich, wer soll diese vielen Angebote denn wahrnehmen? Meine
innere Stimme sagt, " warte ab, sie werden noch beansprucht. Die
Zeit kommt. "
Die Berührungsängste des etablierten Gesundheitssystem sind
noch enorm, auch wenn es Berührungspunkte gibt: Krankenschwestern
praktizieren Reiki, wenn der Arzt nicht hinschaut und so mancher Hausarzt
belegt einen Wochenendkurs um sich "Arzt für Naturheilverfahren"
nennen zu dürfen.
Immerhin konnten wir letzten Sommer die Gaia Tagung
im universitären Bereich abhalten, wofür wir sehr dankbar sind.
Auch wird dort mit alternativen Geisteshaltungen experimentiert - man
denke an den Kongress über Trance im Herbst dieses Jahres. Sogar
die bürgerlich-konservative Rhein-Neckar-Zeitung hat sich letztes
Jahr ein Stück geöffnet, als sie mit mehreren zum Teil ausführlichen
Artikeln über die Gaia-Tagung und unsere Meditation auf dem Heiligenberg
berichtete.
Es ist tatsächlich sehr schön zu sehen und es erfüllt mich
auch mit Freude und Dankbarkeit, wie stark sich das neue Bewusstsein ausbreitet.
Vor ca. 5 Jahren saßen wir nochmal zusammen,
um dieser Bewegung ein Forum zu geben: diesmal im Internet. Heide Wernecke
hat diese Idee bis heute konsequent weiterverfolgt und mit viel Fleiß
und dem Studium entsprechender Programmierliteratur in die Tat umgesetzt.
Der Beginn dieser Lichtblick-Netz Seiten zum jetzigen Zeitpunkt passt:
Etwa ein Jahr nach der Einstellung des Muse-Brot-Wegweisers findet die
alternativ-spirituelle Szene hier eine neue Plattform - erreichbar für
jeden, der einen Computer bedienen kann.
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Sie haben hier die Möglichkeit, den
Artikel mit Informationen und Anekdoten zum Thema zu ergänzen, welche
dann mit Links im Text oder am Ende angefügt werden.
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Dieses Bild wurde handgemalt und war die Vorlage für die Visitenkarten
des "Ladens", damals eröffnet von Karl-Friedrich Honold
und Jeff Rogers.
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